
Selim hat Seitenstechen und Magenkrämpfe. Er hat zu kurz vor dem Start des Rennens noch gegessen. Nach dem elften von 52 Hindernissen kann er schon nicht mehr, er kämpft mit seinem inneren Schweinehund. Nachdem er über eine eher leichte Hürde aus Strohballen und Autoreifen geklettert ist, fasst er sich an den Bauch und stolpert nur noch, den Oberkörper nach vorn gebeugt, durch den Sand der Kiesgrube. Die nächsten hundert Meter bis zum Steilhang kann er sich nur im Schritt voranschleppen, der Sand ist tief und der Magen schmerzt.

Szenenwechsel: Selim steht im Ziel, neben dem Zelt, in dem später der Rock vom Wolfsman abgehen wird, mit den anderen vier Läufern seines Jim Beam Rudels zusammen. Mit der einen Hand ballt er eine Siegesfaust, in der anderen hält er seine Wolfsman-Finisher-Kette und schildert wie das war, als der innere Wolf den inneren Schweinehund überwunden hat. „Ich hatte so Krämpfe, aber irgendwann ging´s wieder, dann habe ich im langsamen Trab einen nach dem andern überholt, weil die alle zu schnell gestartet waren.“

Der Mann, der noch eine dreiviertel Stunde vorher mit den Schmerzen, dem Sand und dem Schweinehund gekämpft hat, ist jetzt ganz locker. Er grinst und beglückwünscht die anderen Wölfe aus seinem Jim Beam Rudel. So wie Selim ging es auch den anderen vier, die mit ihm als Jim Beam Rudel am Start waren. „Eine geile Veranstaltung, super Strecke, super Organisation, gute Läufer“, urteilt Ersan. Obwohl sie am Ende wegen 15 verdammten Minuten nur das zweitschnellste Rudel waren und die fette Jim Beam Party nicht nach Nürtingen holen können: Sie sind alle mit sich zufrieden, sie haben sich gut geschlagen und freuen sich über insgesamt 1.000 Euro von Jim Beam für den Kauf von Sportausrüstung. „Die Strecke war auf jeden Fall sehr anspruchsvoll – härter als ich gedacht hatte“, sagt Selims Teamkollege Felix, der in der Konkurrenz der Rudel zweitschnellster Läufer war – und einer der dreckigsten. „Meine Taktik bei diesen Tümpeln ist immer, so weit wie geht reinspringen, weil das Waten Kraft kostet.“ Bei der zweiten Runde hat er den Sprung vom Ufer ins gelbbraune Wasser der Plan:Orange Wolfspfütze falsch berechnet, ist vornüber in die brackige Schlammbrühe gefallen. Jeder der 400 Läufer hinterließ den Tümpel noch zäher und noch widerlicher. Die Läufer, die sich ans rettende Ufer schleppen, sehen aus wie der Wolf aus dem Sumpf. Die Wolfspfütze ist auf jeden Fall das ekligste Hindernis – wer dachte, nach vier Tagen Sonnenschein könne er nicht dreckig werden, hat bestimmt auch geglaubt, dass er nicht heulen würde, irgendwann, irgendwo auf der Strecke „Ich hab´ meinem Mann gesagt, im Ziel küsse ich ihn heftig“, sagt eine Zuschauerin, „was mach´ ich denn jetzt?“ Ihre Freundin sagt es ihr: „Weiter anfeuern!“

Auf den ersten Metern hatten die Wolfsmänner und Wolfsfrauen noch Luft, um mit den Fotografen zu witzeln – „setz´ mich schön in Szene!“ Nach dem Schmetterhorn, wo sich an der fünf Meter hohen Steilwand die Spreu vom Weizen trennt, muss nichts mehr inszeniert werden. Das Leiden ist echt, jedem Läufer steht die Anstrengung als Schmerz ins Gesicht geschrieben – auf jedem Meter, Verschnaufpausen gibt es nicht. „Wer hat sich diese Hindernisse ausgedacht“, presst ein Läufer im Wolfskostüm zwischen den Zähnen hervor. Sein Röcheln hören die Zuschauer sogar hoch oben auf dem sonnengefluteten Plateau der Kiesgrube, von dem man die beste Aussicht hat. Von hier aus feuern sie ihre Rudel an, rufen den schnaufenden und schlammverschmierten Läufern Durchhalteparolen zu und klappern mit den Rasseln, die alle Fans vor dem Run bekommen haben.

Am Ende der zwei mal 5,2 Kilometer durch Wasser, Schlamm, Sand und Lehm, als alle 26 Hindernisse zwei Mal überwunden sind, haben manche Wölfe die Sache sehr ernst genommen. Das Jim Beam Rudel und andere hatten außerdem noch eine Menge Spaß! Ins Ziel gekommen sind sie alle. Jeder Wolf und jede Wölfin hat den inneren Schweinehund besiegt. Auf der Strecke mussten alle Wölfe jaulen, im Ziel gibt es nur noch Siegesgeheul. Das passt, den die Sonne verschwindet jetzt langsam hinter den Baumwipfeln. Während die Zuschauer sich ein Bier oder eine Dose Jim Beam Cola holen und ins Festzelt gehen, wo jetzt der Rock-DJ einheizt, müssen die Wolfsmänner noch eine letzte schwere Hürde nehmen: Die Schlange vor den Duschen. Und hier zeigen die fünf Nürtinger vom Jim Beam Rudel noch ein letztes Mal, dass sie tough sind. Sie nehmen einfach den Wasserschlauch und waschen sich den Sand, den Dreck und den Schweiß unter freiem Himmel runter.




