TSI: Herr Tügel, warum sind Sie Pyrotechniker geworden?
AT: Ich hatte eine schlimme Jugend. Bereits damals habe ich viel gezündelt.

TSI: Tatsächlich?
AT: Nein (lacht). Es macht einfach immer wieder Spaß mit dem Klischee zu spielen, Pyrotechniker und Pyromanen gehörten unter ein und denselben Hut.

TSI: Kein Klischee hingegen ist, dass das Feuer beide zu faszinieren scheint. 
AT: Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, ob es das Feuer ist, was mich so fasziniert. Mir gefällt, dass man mitunter wochenlang exakt und minutiös auf einen Moment hinarbeitet, der nach Sekunden auch schon wieder vorbei ist. Trotzdem oder gerade deshalb muss alles perfekt geplant sein.

TSI: Dabei ist Gefahr doch sicherlich kein Fremdwort? 
AT: Wenn man über die Straße geht, kann es auch passieren, dass einen ein Auto erwischt. Eine hundertprozentige Garantie gibt es einfach nie. Egal wie sicher man arbeitet, Feuerwerk ist und bleibt nun mal lebensgefährlich. Man kann nicht jede Gefahr vorhersehen und immer wieder kommt es leider auch zu tödlichen Unfällen.


TSI: Haben Feuerwerkskörper die gleiche Wirkung wie Sprengstoff?
AT: Der entscheidende Unterschied ist, dass plastischer Sprengstoff gar nicht so leicht gezündet werden kann, wie das in Filmen häufig simuliert wird. Da braucht es ganz bestimmte Sprengkapseln. Bei einem Feuerwerk wird mit Schwarzpulver gearbeitet – da genügt ein winziger Funken.


TSI: Wie wird man Pyrotechniker? 
AT: Die Ausbildung zum Pyrotechniker und die Prüfung führen private Schulungsträger durch. Jeder Lehrgang wird aber von staatlicher Seite begleitet und überwacht, von einem so genannten Sprengstoff-Dezernat. Das gibt es aber nicht überall in Deutschland und variiert von Region zu Region. Teilweise werden die entsprechenden Aufgaben auch vom Landesamt für Arbeitsschutz oder dem Gewerbeaufsichtsamt übernommen. 

TSI: Das war es? Und dann darf man zündeln was das Zeug hält?
AT: Nein. So einfach ist das nicht. Pyrotechniker unterliegen stetigen und strengen Kontrollen. Einmal im Jahr erscheint unangemeldet jemand vom Dezernat und prüft, ob jedes Gramm Schwarzpulver in meinem Lager genehmigt und gelistet ist und welchen Aktivitäten wir nachgehen. Regelmäßig prüft ein Arzt, ob ich nach wie vor körperlich und geistig in der Lage bin meinen Job auszuüben. Das Sprengstoffdezernat arbeitet eng mit der Polizei zusammen, d.h. ein Eintrag in meinem polizeilichen Führungszeugnis wird sofort gemeldet. Wenn ich bestimmte Internetseiten aufrufe rückt sofort das SEK an, bricht meine Tür auf und erschießt mich. Ok, das ist übertrieben, aber ich unterliege wirklich sehr strengen Kontrollen.

TSI: Das ist irgendwie beruhigend, denn schließlich gibt es genug unverantwortliche Menschen da draußen.
AT: Das kann man wohl sagen. Das merke ich auch an Emails und Anfragen, die mich erreichen.

TSI: Inwiefern?
AT: Der Großteil der Anfragen kommt, wie ich vermute, von Fußball-Krawallmachern und Hobby-Pyromanen die "härteren Stoff" wollen als sie zu Silvester im Supermarkt bekommen. Eine konkrete Frage war wirklich, ob ich einen Riesenböller für das nächste Fußballspiel bauen kann.

TSI: Und?
AT: Anfragen dieser Art leite ich grundsätzlich direkt an die Polizei weiter und höre meistens kein zweites Mal von der gleichen Person.

TSI: Was war der skurrilste Auftrag, den Sie je hatten?
AT: Das war vermutlich die Anfrage von Galileo, ob wir einen Menschen mit Feuerwerkskörpern in die Luft schießen können.

TSI: Was ist daraus geworden? 
AT: Wir haben 12000 Raketen benötigt, aber letztlich haben wir einen Mann 65 Meter in die Höhe katapultiert.

TSI: Welche Voraussetzungen braucht man als Pyrotechniker?

AT: Man muss körperlich fit und geistig stabil sein, darf sich keine Vorstrafen leisten, muss gewissenhaft und konzentriert arbeiten und braucht extrem starke Nerven.

TSI: Weil es nämlich doch gefährlich ist!
AT: Es ist nur dann gefährlich, wenn man schludrig und unkonzentriert arbeitet. Aus diesem Grund sind starke Nerven auch so wichtig, denn man muss auch in stressigen Situationen dem enormen Druck Stand halten können.

TSI: Ist es der Druck etwas falsch zu machen?
AT: Das auch, aber wichtiger ist, sich nicht kirre machen zu lassen. Gerade an einem Filmset ist das wichtig. Hier geht es immer schnell und hektisch zu. Kameraleute wollen, dass man sich beeilt, weil sonst das Licht nicht mehr stimmt, andere wollen nicht warten oder näher an die Explosion heran. Da darf man sich nicht hetzen lassen, sondern muss ein cooler Hund bleiben.

TSI: Oder ein Echter Teufelskerl. Was war der gefährlichste Auftrag?
AT: Das war eine Filmszene. Es ging darum, dass sich ein Auto bei 80 km/h überschlägt und anschließend explodiert. Das ließ sich nicht anders realisieren, als dass der Stuntman während der Explosion im Fahrzeug bleibt. Wir haben kleine Ladungen unter dem Auto montiert und solche, die von dem Fahrer bei der Zündung weg schießen. Glücklicherweise hat alles gut geklappt, aber ein Restrisiko gibt es einfach immer.

TSI: Das ist eine enorme Verantwortung, die Sie tragen.
AT: Klar! Wenn Menschen bei einer Sprengung involviert sind, überlege ich immer, ob ich den Platz tauschen würde. Ich setze andere niemals Situationen aus, die ich nicht selbst auch riskieren würde. 

TSI: Danke für das Gespräch – ein echter Teufelskerl!