So virtuos wie kein anderer geht er mit Mischpult und Synthesizern um: Paul Kalkbrenner ist seit seinem Erfolg mit „Berlin Calling“ der Superstar des Techno.

Auf seiner aktuellen Tour präsentiert Kalkbrenner sein neues Album „Icke Wieder“ und will mit straighten, minimalistischen Sounds die deutschen Konzerthallen zum Kochen bringen. Über die musikalischen Anfänge von Paul Kalkbrenner und seinen Aufstieg in den Techno-Olymp, das alles erfahrt ihr hier.

Die Erfolgsstory „Paul Kalkbrenner“ beginnt ganz unspektakulär – mit Trompetenunterricht in der ehemaligen DDR. Schon während der Grundschulzeit erkennen Lehrer das musikalische Talent des gebürtigen Leipzigers und schicken ihn zur Musikschule in Ostberlin. Als die Mauer fällt, ist es mit dem Trompetenspiel vorbei. Kalkbrenner ist zwölf Jahre alt, seine Jugend verbringt er in Friedrichshain, einem kreativen und anarchischen Ort, an dem nun alles möglich scheint. Hier, im Osten der Stadt, wird in den Neunzigern der Sound einer ganzen Generation geboren: Techno. Kalkbrenner ist fasziniert von der Kraft dieser Musik. Er beginnt aufzulegen und dreht meist mit seinem Kumpel Sascha Funke in Jugendclubs die Plattenteller. Als Kalkbrenner mit achtzehn Jahren zum ersten Mal auf den Tanzflächen der großen Berliner Clubs steht, wird ihm klar: Er will selbst elektronische Musik machen.

Kalkbrenner bricht die Schule ab und jobbt als Cutter beim Fernsehen. Nebenbei legt er weiter auf und bastelt an seiner eigenen Musik. Die Berliner Produzentin Ellen Allien nimmt ihn unter Vertrag, erste Veröffentlichungen folgen und es geht steil bergauf. Vor allem Kalkbrenners drittes Album „Self“ aus dem Jahr 2004 erhält gute Kritiken und markiert eine neue Ära seines Schaffens: Es hat den typischen, melodischen Kalkbrenner-Sound und eine ganz eigene Ästhetik. Darauf folgt der Track „Gebrünn Gebrünn“, der in den Clubs rauf und runter gespielt wird und zum Techno-Klassiker avanciert.
Zu dieser Zeit ist Paul Kalkbrenner vor allem in deutschen Techno-Kreisen ein gefeierter Star. Den großen internationalen Durchbruch bringt ihm „Berlin Calling“, ein Streifen über die Berliner Technoszene. Kalkbrenner komponiert die Musik zum Film von Hannes Stöhr und übernimmt die Hauptrolle: Als DJ Ickarus spielt er sich 2008 nicht nur in die Herzen der deutschen Technofans, sondern erlangt weltweit Kultstatus. Der Soundtrack übertrifft alle Verkaufserwartungen und steht über Wochen weit oben in den Charts. Alle wollen die melodisch-elektronischen Klänge hören, die „Paule“ seinem Computer und dem Mischpult entlockt.

Inzwischen ist Paul Kalkbrenner in den Techno-Olymp aufgestiegen. Seine Konzerte sind innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, er ist Headliner bei großen Festivals wie Nature One, Melt oder Fusion und die Höhe seiner Gagen liegt im Bereich von DJ-Größen wie Sven Väth oder Paul van Dyk. Ein bisschen ärgert er sich aber immer, wenn er in die DJ-Schublade gesteckt wird: Er ist keiner, der Platten anderer zusammenmixt. Kalkbrenner macht Musik, er ist ein Live-Act.


Dass seine Musik kein beliebiges Techno-Set, sondern ein Ereignis ist, beweist er auch in seinen Shows. Auf der „Berlin Calling“-Tour heizte er seinen Fans mehr als dreieinhalb Stunden lang mit satten Sounds und gigantischen Videoprojektionen ein. Kalkbrenner versteht es wie kein anderer, die Massen in Ekstase zu versetzen.
Auf seinem aktuellen Album zeigt er nun, wie vielseitig seine Musik ist. „Icke Wieder“ ist kein Verschnitt des Vorgängeralbums „Berlin Calling“. Kalkbrenner entdeckt mit der Scheibe einen ganz neuen Sound für sich. Mit Kuscheltechno à la „Sky and Sand“ ist Schluss, die Tracks kommen ohne Vocals aus, sind straighter und minimalistischer. Nur eins soll beim Alten bleiben: Paul Kalkbrenner will auch auf der aktuellen Tour seine Fans zum Feiern bringen und alles für sie geben.