Wunder gibt es immer wieder: Bei Katja Ebstein im Song und ganz real bei Jan Angermüller (37). Er ist der große Macher hinter der Mammutveranstaltung „Best of Grand Prix – Germany 12 Points“ am 6. Mai in der Laeiszhalle.
Nach dem überwältigenden Erfolg 2009 kommt nun der zweite Teil mit den größten Hits aus über 50 Jahren Grand Prix im goldenen Fernsehorchestersound der 70er Jahre: Ein unbändiger Spaß mit viel Humor und Comedy. Und mit großem Anspruch: Live mit 90 Musikern in Big Band und Orchester und 20 Sängern, einen für jeden Titel. Von “Hold me now” über “Save your kisses for me” bis “Wadde Hadde Dadde Du”.
„Mein Tag müsste eigentlich gerad 40 Stunden haben, damit ich alles schaffe“, wünscht sich Jan. Der Hamburger hat ungefähr 8000 Jobs bei “Best Of Grand Prix” - musikalischer Leiter, Marketingmann, Websitepfleger und Plakatdesigner. Er trifft auch die Stückauswahl, wählt die Künstler aus, schreibt alle Arrangements, druckt und verschickt die Noten und kümmert sich sogar um Saalbuchung und Ticketverkauf. Der Gründer und frühere Leiter der Pop-Orchesterkonzerte der Jungen Symphoniker Hamburg ist zudem Regisseur, Produzent und Dirigent. Klingt äußerst ambitioniert und vor allem produktiv.
Schläft dieser Mensch auch mal? „In der Stressphase leider recht schlecht. Aber auf mindestens sieben Stunden komme ich trotzdem. Tendenziell bin ich ein Langschläfer“. Respekt! Dann muss der Informatiker und Jurist, der Mitte der 90er Jahre einmal Kulturmanagementstudent in Paul McCartneys berühmtem Liverpool Institute of Performing Arts war, ein echter Schnellarbeiter sein. Der – alles andere wäre bei ihm ja ungewöhnlich - auch als Musiker Talente hat. Bei den Grand Prix-Chorproben sitzt Jan am Klavier. Richtig gut spielt der musikalische Leiter aber Kontrabass. „Zum Glück kann ich auch auf der Gitarre, dem Saxophon, der Querflöte oder Trompete jede Melodie so spielen, dass man sie erkennen kann.“ Gibt es etwas, das er NICHT kann? Oh Wunder, ja! „Ich kann überhaupt nicht zeichnen. Da kriege ich höchstens ein schwer erkennbares Strichmännchen hin.“ Und woher kommt Jans´ Ehrgeiz? „Ich will das Unmögliche möglich machen. Sachen, die es noch nie gab! Ich suche eigentlich immer nach neuen Ideen.“
Mit dem Ziel, von seinen Poporchesterprojekten wie dem Orchesterkaraoke mittelfristig leben zu können. Denn bislang bleibt bei den hohen Kosten der Großveranstaltungen kaum was übrig. Schon in der Schulzeit stach Jan musikalisch heraus: Er stellte mal eben so die „Rocky Horror Show“ auf die Beine, 5500 Tickets wurden verkauft. 1992 spielte der Umtriebige mit seiner damaligen Metal-Band beim Wacken Open-Air. Gibt´s musikalisch keine Barrieren? „Ich möchte Klassik mit Pop verbinden, Musik mit Spaß. Ich nenne das Happy Music.“ Er überlegt kurz und bringt es dann auf den Punkt: „Ich bin so ein junger James Last!“
Immer wieder fällt bei ihm das Wort Authentizität. „Die Musik muss nicht allein von Profis kommen - die könnte ich mir momentan auch noch gar nicht leisten - mein Königlich-Hamburgisches Hoforchester besteht aus einer Mischung von Profimusikern und sehr guten Amateuren. Man braucht einfach das richtige Gespür, um die optimale Performance aus dem Potential der Leute rauszuholen. Und wahrscheinlich gelingt mir das ganz gut.“
Wahrscheinlich bestimmt! So werden auch am 6. Mai wieder 1000 Fähnchen im Rhythmus schwingen und La Ola-Wellen durch die Laeiszhalle pflügen. Ein Must-Gig!
Von Katinka Jaekel talk&write www.talkandwrite.de



