ZUR PERSON

Darko Caramello wurde 1979 als halb Kroate und halb Serbe in Göttingen geboren, wo er eine bewegte Jugend als Graffiti-Künstler verlebte. Die Ausbildung zum Grafikdesigner an der „Hamburger Technische Kunstschule“ brachte ihn im Jahr 2000 in die Hansestadt.

Wie sehr beeinflusst die Kunst deinen Alltag?
Eigentlich komplett. Zur Zeit gibt es zwei Hauptaufgaben, die das meiste meiner Zeit fressen. Da sind einerseits natürlich das künstlerische Schaffen und andererseits das Gängeviertel, wo ich schwer involviert bin. Die Initiative „Komm in die Gänge“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, für die Kunst einen Platz zu schaffen und den gegenseitigen Austausch zu erhöhen, mache ich ja letztlich auch für die Kunst. Das bestimmt oftmals schon mein gesamtes Tageswerk und das finde ich auch gut so.

Als Bewohner des Kupferdiebehauses warst du ja schon im Viertel bevor mit der Künstlerinitiative und der Hausbesetzung das Thema Gängeviertel richtig losging?
Das war zunächst ein glücklicher Zufall. Durch die Nutzung des leer stehenden Kupferdiebehauses hatte ich die Möglichkeit, ein Atelier umsonst nutzen zu können und mich künstlerisch weiter zu entwickeln, ohne als Grafiker arbeiten zu müssen. In dieser Gesellschaft sollte es immer möglich sein, Freiräume zu finden, um sich zu entwickeln. Ja auch in meiner Kunst. Das finde ich ziemlich wichtig. Diese Idee steckt auch hinter dem Gängeviertel und der Initiative. Es geht darum, den Künstlern einen Raum zu bieten, wo sie sich entfalten können. Als einer der wenigen, die hier vom Platz sind, habe ich auch gerne zusätzlich Verantwortung übernommen. Ich mache hier sehr viel Vermittlungsarbeit, versuche unterschiedliche Standpunkte zu vereinen. Das findet sich ja auch in meiner Kunst.

Wie sahen deine ersten künstlerischen Gehversuche aus und wie schwer fiel dir der Einstieg?
Ich habe mit 14 Jahren angefangen Graffitis zu machen. Das sah dann so aus, dass ich mich in einer alten Fabrikhalle zusammen mit drei Freunden und einem Haufen geschenkter Sprühdosen wiedergefunden habe. Wir haben uns einfach ausprobiert. Die Hemmschwelle ist am Anfang ja auch ziemlich niedrig. Du stellst dich irgendwo hin und fängst einfach an. Das sieht eh keiner. Dann sprühst du so lange bis du dich traust, es dort zu machen wo auch andere Leute es sehen können. Der Einstieg war also eher spannend. In der richtigen Kunstwelt ist es wesentlich schwieriger als auf der Straße einfach mit Graffiti anzufangen.

Wie würdest Du heute deinen Stil beschreiben und was kennzeichnet deine Werke?
Ich komme ja, geprägt vom Grafikdesignstudium und der Trickfilmschule, aus dem illustrativen Comicbereich. Der Comicstil ist die grafische Oberfläche auf der ich mich hauptsächliche bewege. Dazu kombiniere ich manchmal den Schwung und die abstrakten Formen, die dem Graffiti entlehnt sind. Ich arbeite also nicht fotorealistisch, was ich persönlich für relativ sinnlos halte. Die Zeiten sind vorbei, in denen man die Realität abbilden musste. Man kann ruhig freier sein als ein Fotoapparat. Das Ziel meiner künstlerischen Arbeit ist vielmehr Elemente aus dem Graffiti und dem illustrativen Comicbereich in einer Form zusammenfließen zu lassen.

Welche Techniken benutzt du dafür?
Ich arbeite hauptsächlich mit Acryl. Ich zeichne aber auch viel und arbeite auf Holz, Leinwand oder Plastik. Eine Zeitlang habe ich viel mit dem Plotter und der Schablonentechnik gemacht, aber das wurde mir zu langweilig. Dieses Gefühl mit der Leinwand zusammen zu arbeiten und direkt auf den Untergrund zu zeichnen, geht bei so digitalen Sachen einfac

Wie sieht das bei dir aus, von der Idee bis zum fertigen Bild?
Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal fange ich ohne eine richtige Idee direkt auf der Leinwand an zu arbeiten. So einfach aus dem Gefühl heraus. Gelegentlich habe ich aber auch eine Eingebung. Dann zeichne ich das, was ich im Kopf habe und denke dann darüber nach. Wenn ich etwas Inhaltliches darin entdecken kann, was mich bewegt, setze ich das anschließend auch um. Es kann aber auch sein, dass ich einfach etwas skizziere und erst später die Idee dahinter erkenne. Meistens verfolge ich gleichzeitig drei oder vier Richtungen, die mich vom Inhalt oder Design her interessieren. Dann kann es schon mal vorkommen, dass ich eine Richtung wieder abstoße, weil sie mir nicht mehr gefällt und dann etwas völlig Neues wieder anfangen.

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